Die 24 Stunden von Le Mans 2026
Geheimsache BoP
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Balance of Performance (BoP) - das ewige leidige Thema. Nachdem es den Teams bereits seit dem letzten Jahr verboten war, sich in der Öffentlichkeit über die BoP kritisch zu äußern, gingen FIA und ACO dieses Jahr noch einen Schritt weiter und hielten die BoP-Werte seit Saisonbeginn strikt geheim. Wir Fans konnten also nur noch rätseln, welche Autos eine günstige Einstufung hatten, es herrscht jetzt völlige Intransparenz. Im letzten Jahr hatten eigentlich nur 2 Hersteller Siegchancen (Ferrari und mit Einschränkungen auch Porsche), in diesem Jahr balgten sich immerhin 3 der 8 Teams um die Führung: Toyota, BMW und Cadillac. Alle anderen Hersteller hatten kaum Chancen und wären nur zum Zug gekommen, wenn diese 3 Teams gepatzt hätten.
Genau wie im Vorjahr gab es 8 Hersteller in der Hypercar-Klasse, aber mit einem Platztausch im Starterfeld. Porsche hatte sich Ende 2025 aus der WEC zurückgezogen und auch die Hoffnung auf wenigstens einen Privat-Porsche erfüllte sich nicht. Seit unserem ersten Besuch 1985 war dies nun schon der 4. Ausstieg von Porsche, bisher sind sie aber jedesmal wieder zurückgekommen. Hoffen wir mal, das wir auch den 4. Wiedereinsteig sehen werden. Neu hinzugekommen ist in diesem Jahr der Automobilkonzern Hyundai mit seiner Marke „Genesis“. Zum ersten Mal in der Geschichte des Rennens war ein Werksteam aus Südkorea am Start. Die Asiaten hatten sich sehr professionell auf die WEC vorbereitet und bereits seit einem Jahr fleißig getestet. Auch bei den Fahrern ging man keine Risiken ein und verpflichtete Routiniers wie Lotterer, Juncadella, Jaminet und Derani.
Zum Training: Das Format wurde in diesem Jahr geändert und es gibt jetzt ähnlich wie in der Formel 1 ein 3-stufiges Qualifying. Zuerst gab es ein Qualifikationstraining in dem die schnellsten 16 Fahrzeuge ermittelt wurden. In einem weiteren Qualifikationstraining wurden dann 6 weitere Fahrzeuge aussortiert und die Hyperpole Session wurde mit den 10 schnellsten Fahrzeugen bestritten.
Nach der Hyperpole Session gab es allerdings eine eklatante Fehleistung des Veranstalters ACO. In einer für ein Trainingsergebnis absurd pompösen Zeremonie mit viel künstlichem Nebel, Lightshow und Medaillenverleihung auf dem Podium wurden die Fahrer des Cadillac #38 für die Pole Position geehrt. Wenige Minuten danach fiel den Verantwortlichen dann plötzlich auf, dass dieses Fahrzeug bereits bei Beginn der Session gegen eine Regel verstoßen hatte (zu früh in die Fast Lane der Boxengasse gefahren) und die Rundenzeit des Cadillacs wurde gestrichen. Auf der Pole Position stand dann am Samstag der BMW #25.
Toyota spielte übrigens im Training keine große Rolle, man landete erstaunlich weit hinten auf den Startplätzen 14 und 15. Am Ende gab es dann aber den bereits 6. Sieg für Toyota in Le Mans. Dieser Sieg war ein ganz Besonderer, weil die Japaner endlich einmal gegen Gegner aus der gleichen Gewichtsklasse gewonnen haben. Damit hat man in den Augen vieler Fans einen sportlichen Makel getilgt, denn bei allen vorherigen Siegen war man ohne ernsthafte Konkurrenz am Start gewesen. Zugleich gab es gegen Rennende eine Neuauflage des Duells von 1999, bereits damals hatten Toyota und BMW bis zum Schluss um den Sieg gekämpft. Die Toyota Fahrer Mike Conway und Kamui Kobayashi wurden zum 2. Mal Gesamtsieger, Nyck de Fries zum 1. Mal. Noch was für die Statistiker: Noch nie hat ein Wagen, der so weit hinten startete (Startplatz 14) die 24 Std. von Le Mans gewonnen.
Ein wichtiger Baustein für diesen Sieg war wohl die Boxenstop-Strategie von Toyota. Während alle anderen Hypercars erst nach der Standard-Stintlänge von 13 Runden an die Boxen kamen, schickte man die beiden Toyota wohl mit weniger Sprit zum Start und holte die Wagen bereits nach 8 bzw. 9 Runden zum ersten Stop an die Box. Dadurch kam man vor dem LMP2-Pulk wieder auf die Strecke und steckte nicht im Verkehr der anderen Hypercars fest, beide Wagen hatten danach erstmal freie Fahrt nach vorne.
BMW: Nach den Riesenpleiten der letzten beiden Jahre kann man den 2. Platz natürlich als Erfolg werten. Aber wenn man so dicht am Sieg geschnuppert hat, dann überwiegt wohl doch die Enttäuschung darüber, so knapp gescheitert zu sein. Am Ende lag der zweitplatzierte BMW nur rund 10 Sekunden hinter dem Sieger.
Cadillac: Auch die Amerikaner sind vermutlich sehr enttäuscht aus Frankreich abgereist. Trotzdem man sich oft an der Spitze aufgehalten und sogar die meisten Führungsrunden aller Hypercars zurückgelegt hatte (178 der 381 Rennrunden), sprang zum Schluss noch nicht einmal ein Platz auf dem Podium dabei heraus. Im Ziel lag die #12 zwar nur 32 Sekunden hinter dem Sieger zurück, aber das reichte in diesem Jahr nur für Platz 4.
Ferrari: Der Seriensieger der letzten 3 Jahre landete auf den Plätzen 5 und 7, vermutlich war die BoP-Einstufung nicht allzu günstig.
Die Lokalmatadoren Peugeot und Alpine: Peugeot fuhr wie bereits in den Vorjahren ein unauffälliges Rennen und kam auf den undankbaren Plätzen 11 und 12, also außerhalb der Punkte, in die Wertung. Etwas besser sah es beim Alpine-Team aus, mit den Plätzen 6 und 10 landeten beide Autos immerhin in den Punkterängen, aber in den Kampf um den Sieg konnten die Franzosen zu keiner Zeit eingreifen. Alpine wird sich übrigens Ende 2026 aus der WEC zurückziehen, mit Ford und McLaren stehen für 2027 aber bereits 2 neue Hersteller in den Startlöchern.
Der Neuling Genesis brachte immerhin ein Auto über die Distanz, die #19 belegte mit 9 Runden Rückstand Platz 13. Ausfälle: 4 der 18 Hypercars kamen nicht ins Ziel, BMW, Cadillac, Ferrari und Genesis verloren jeweils 1 Auto.
LMP2: Dies war die Klasse mit der größten Zuverlässigkeit, nur ein einziges der 18 Fahrzeuge kam nicht in die Wertung. Wie bereits im Vorjahr gewann das polnische „Inter Europol Competition“ Team mit dem gleichen Fahrertrio Tom Dillmann, Jakub Śmiechowski und Nick Yelloly, diesmal erzielte man sogar einen Doppelsieg. Die Polen haben jetzt bereits 3 der letzten 4 Rennen in dieser Klasse in Le Mans gewonnen.
In der GT3-Klasse gab es die übliche Markenvielfalt auf dem Podium: Es siegt die Corvette #33 mit einer Runde Vorsprung vor dem Lexus #78 und dem Aston Martin #23. Auf dem 4. Platz folgte ein weiterer Lexus, Toyota (Lexus) war also auch bei den GT-Autos recht erfolgreich. In dieser Klasse gab es übrigens die meisten Ausfälle, 8 der 25 Fahrzeuge erreichten die Zielflagge nicht.
Aus deutscher Sicht sehr traurig: Zum ersten Mal seit dem Debut in Le Mans im Jahr 1951 waren insgesamt nur 2 Porsche im Starterfeld und von denen kam auch nur einer abgeschlagen auf Platz 13 in der GT3-Wertung ins Ziel. Das zweite Fahrzeug des Manthey-Teams schied nach einem heftigen Unfall mit dem amtierenden DTM-Champion Ayhancan Güven am Lenkrad am Sonntagvormittag auf der Hunaudieres-Geraden aus. Auch Mercedes hatte nicht viel Glück, nur einer der 3 AMG-Wagen erreichte das Ziel.
Das Rennen war wie bereits in den Vorjahren komplett ausverkauft, mit 351.000 Zuschauern wurde ein neuer Rekord aufgestellt. Die Wettergötter waren auf unserer Seite, während des Rennes war es durchweg warm und trocken.
Eine wichtige technische Neuerung gab es in diesem Jahr bei der Zeltplatzausrüstung unseres Teams: Eines unserer Team-Mitglieder (seit kurzem Rentner mit viel Tagesfreizeit) hatte in seine selbstgemachten Zeltheringe farbige LEDs mit Akkus eingebaut, die nachts leuchten damit man nicht über die Abspannschnüre stolpert, großartig!
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