Die 24 Stunden von Le Mans 2021

Hypercars

Le Mans 2021

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Im März diesen Jahres hatte der Veranstalter die Verschiebung des Rennens aufgrund der Corona-Pandemie vom Juni auf den August bekannt gegeben. Anfang Juni begann dann der Ticketvorverkauf mit einem Kontingent von 50.000 Eintrittskarten. Da ACO-Mitglieder und Besteller des Vorjahres zunächst bevorzugt wurden, rechneten wir damit, dass diese Tickets wohl binnen weniger Tage ausverkauft sein würden, aber weit gefehlt. Selbst zu Beginn der Rennwoche gab es noch jede Menge Eintritts-, Tribünen- und Zeltplatzkarten, eine große Überraschung!

Le Mans zu Corona-Zeiten, wie würde das wohl funktionieren? Die Antwort: Erstaunlich gut! Obwohl nur 3 Eingänge geöffnet waren, gab es keine langen Schlangen bei den Kontrollen. Zunächst wurden die Impfausweise (der digitale "Pass sanitaire") auf dem Smartphone bzw. die Coronatests kontrolliert, danach gab es die übliche Taschenkontrolle und zum Schluss wurden die Tickets gecheckt. Das alles lief absolut reibungslos, ein großes Kompliment an den Veranstalter! Innerhalb der Strecke gab es Maskenpflicht bis zum Erreichen der Sitz- oder Stehplätze. Aufgrund der geringen Zuschauerzahl hatte man nur selten Probleme, die Mindestabstände einzuhalten.

Das Format der Rennwoche wurde natürlich geändert. Alle Events, die normalerweise große Menschenmengen auf wenig Platz bedeuten, wurden gestrichen: Fahrerparade und Technische Abnahme in der Innenstadt und auch der Pitwalk in der Boxengasse für alle Zuschauer wurden abgesagt. Die Zeltplätze wurden erst am Mittwochmorgen geöffnet. Wohl zum Ausgleich gab es dann am üblicherweise rennfreien Freitag einige Rennen des Rahmenprogramms.

In diesem Jahr gab es in der Topkategorie die Premiere der Hypercars. Leider war das Starterfeld in dieser Klasse mit gerade mal 5 Fahrzeugen sehr überschaubar. Toyota und Glickenhaus brachten je 2 Fahrzeuge des neuen Reglements an den Start. Alpine nutzte eine Übergangsregelung und setzte einen modifizierten LMP1-Benziner des Vorgängerreglements ein, hierbei handelte es sich um einen Gebrauchtwagen (Oreca-Gibson) des früheren Rebellion-Teams.

Eine Stunde vor dem Start fing es dann heftig an zu regnen. Nach der Einführungsrunde gab es einen Start hinter dem Safety-Car, nach einigen Runden auf mittlerweile abtrocknender Strecke wurde das Rennen dann endlich freigegeben. In der Hypercar-Klasse sortierte sich das Feld nach etwa einer Rennstunde: Die beiden Toyota führten vor dem Alpine und den beiden Glickenhaus und daran sollte sich trotz Benzindruckproblemen bei Toyota und einem Ausritt des Alpine, der 2 Runden kostete, bis zum Rennende nichts mehr ändern. Die Plätze auf dem Podium waren nicht wirklich überraschend, aber das die beiden Glickenhaus mit nur 2 Rennen Vorbereitung direkt im ersten Jahr ohne große technische Probleme das Ziel erreichten, damit konnte nicht unbedingt gerechnet werden.

Im nächsten Jahr wird Peugeot in dieser Klasse mitmischen und für 2023 ist eine regelrechte Invasion von Werksteams angekündigt: Ferrari, Porsche, Audi, Cadillac und evtl. noch BMW und Acura werden dann antreten! Einen solchen Andrang von Herstellern gab es zuletzt zu Gruppe C-Zeiten in den 1980er Jahren. Es sieht nach einer goldenen Zukunft für die Topkategorie in Le Mans aus!

Übrigens: Für die im Vergleich zu den LMP1-Prototypen des Vorgängerreglements deutlich leistungsschwächeren Hypercars hatte der ACO mit Rundenzeiten von ca. 3:30 Min. geplant, eine Rundenzeit, die dem derzeitigen Sicherheitsstandard der Strecke entsprechen soll. Nachdem es beim Testtag noch so aussah, als könnte dieses Ziel erreicht werden, ließ Toyota dann im Qualifying die Hosen runter: 3:23.9 Min.!

Deutlich spektakulärer als bei den Hypercars verlief das Rennende in der LMP2-Klasse. Die favorisierten Teams von G-Drive und United Autosports hatten Probleme und in der letzten Rennstunde lag dann überraschenderweise das belgische WRT-Team (Le Mans Neulinge!) mit seinen beiden Oreca-Gibson auf den Plätzen 1 und 2. Auf dem Weg zur Zielflagge, in der allerletzten Runde, blieb dann 2 Minuten vor Schluss der führende WRT #41 (Robert Kubica, Louis Deletraz, Yifei Ye) vor unseren Augen kurz hinter der Dunlop-Brücke stehen. Fahrer und Team konnten es kaum fassen und wir Zuschauer fühlten uns sofort an das Toyota-Drama von 2016 erinnert. Nachher stellte sich heraus, dass ein defekter Gaspedalsensor einen Kurzschluss ausgelöst hatte. Der bis dahin zweitplatzierte Wagen des Teams konnte jedoch noch den Klassensieg einfahren, allerdings mit nur superknappen 0,7 Sek. Vorsprung vor dem Jota #28. Bei WRT wusste man anschließend wohl nicht, ob man sich ärgern oder freuen sollte.

In beiden GTE-Klassen war das italienische AF Corse Team erfolgreich. In der Pro-Kategorie siegte der Ferrari #51 mit den Fahrern Guidi, Calado und Ledogar. An 2. Position, aber noch in der gleichen Runde, lag die Corvette #63. Das US-Team übte permanent Druck aus, der Ferrari-Sieg war also alles andere als überlegen. An die Corvette C8.R mussten wir uns allerdings erstmal gewöhnen. Nachdem das US-Team im Vorjahr aufgrund der Corona-Pandemie nicht in Frankreich angetreten war, war dies der erste Start mit diesem Modell an der Sarthe. Vorbei ist nun die Zeit der langen Motorhauben, großvolumigen Saugmotoren und des typischen Corvette-Sounds. Aus einiger Distanz sieht das Auto nicht viel anders aus als ein GTE-Ferrari, eigentlich schade!

Der letzte Podestplatz ging an den Porsche #92. Die Stuttgarter hatten gleich zweimal Pech bei Safetycar-Phasen als sie nicht in der führenden Gruppe, sondern in der jeweils 2. Fahrzeuggruppe landeten. Der daraus resultierende Rückstand ließ sich nicht mehr aufholen.

Bei den Amateuren setzte sich der Ferrari #83 vor Aston Martin #33 durch.

Fazit: Trotz der Corona-Einschränkungen hat sich der Besuch voll gelohnt! Schmerzlich vermisst wurde allerdings Radio Le Mans, die in diesem Jahr nicht über FM live an der Strecke sendeten.

Team LeMansZone 2021

  • Ludger Amsbeck
  • Georg Dannewald
  • Jürgen Dürscheid
  • Stefan Fischbach
  • Tom Gamble
  • Hendrik Gerber
  • Thomas Höving
  • Martijn Joosen
  • Werner Kirchmann
  • Andreas Lörzer
  • Rolf Sommer
  • Bob Underwood
  • Max van den Berg
  • Willem-Jan

Zeltplatz: Bleu Nord

Eintrittskarte 2021

Rennergebnis